Wein aus Schleswig-Holstein

Von mittelalterlichen Klostergärten bis zu preisgekrönten PIWI-Weinen: Schleswig-Holstein ist Deutschlands nördlichstes Weinbaugebiet — mit Geschichte, 10 aktiven Weingütern und über 30 Hektar Rebfläche.

Geschichte & Hintergründe Alle Weingüter
32 ha Bepflanzte Rebfläche
26 Betriebe mit Pflanzrechten
+4 ha Wachstum pro Jahr
2015 Erste überreg. Auszeichnung
300 km nach Norden seit 1970

Laut Deutschem Weininstitut hat sich die Weinbaugrenze in Deutschland seit den 1970er Jahren um rund 300 Kilometer nach Norden verschoben. Was heute in Schleswig-Holstein entsteht, ist kein Experiment — es ist der konsequente nächste Schritt einer Entwicklung, die seit 50 Jahren läuft.

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Rebsorten

PIWIs: die Grundlage des nördlichen Weinbaus

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind keine Notlösung — sie sind eine eigenständige Weinbauphilosophie, die im Norden konsequenter umgesetzt wird als irgendwo sonst in Deutschland. Der Nebeneffekt: deutlich weniger Pflanzenschutzmittel, häufig Bio-zertifiziert.

So

Solaris

Wichtigste weiße Sorte in SH. Früh reifend, aromatisch, mit exotischer Frucht — Maracuja, Aprikose — und belebender Säure.

Jo

Johanniter

Frisch, blumig, elegant. Auf Föhr und in der Holsteinischen Schweiz. Ergibt schlanke Weißweine mit Trinkfluss.

Re

Regent

Wichtigste rote Sorte. Kräftige Farbe, rote Beeren, moderater Körper. Basis für Rosé und leichte Rotweine aus SH.

CC

Cabernet Cortis

Dunkelfruchtig, für nordische Verhältnisse tanninreich. Gut für strukturiertere Rotweine — auf Deutsch-Nienhof und Wittenseer.

SG

Souvignier Gris

Neuere Sorte, würzig-komplex, für Fassausbau geeignet. Lenz Roeloffs auf Föhr hat sich darauf spezialisiert.

Fe

Felicia

Sehr frühreifend, leicht und frisch. Ergänzt Solaris in Cuvées und gibt dem Wein Eleganz und Leichtigkeit.

Was diese Weine im Glas bedeuten: Eiszeitliche Sandböden, Meeresluft und kühle Nächte ergeben Weine, die Weinkenner als mineralisch, frisch und trocken beschreiben — eine Eigenschaft, die man sonst eher von der Mosel oder dem Elsass kennt. Kein schwerer Südwein, kein süßlicher Fruchtbomb. Schlank, durchdringend, lebendig.

Marktentwicklung

Ein Markt, der wächst — und das aus gutem Grund

Märkte auf wackligen Fundamenten wachsen nicht konstant. Der Weinbau in Schleswig-Holstein legt seit 2009 jedes Jahr drei bis fünf Hektar zu — nicht durch Subventionen, sondern weil sich neue Betriebe wirtschaftlich tragfähig aufstellen.

Hinzu kommt eine Professionalisierung der zweiten Generation: Lenz Roeloffs vom Weingut Waalem auf Föhr studierte Önologie in Geisenheim und gilt dort heute als Experte für PIWI-Sorten. Die Wittenseer Weinmanufaktur lässt ihre Trauben beim Weltklasse-Weingut Höfflin am Kaiserstuhl ausbauen — Qualitätssicherung ohne eigene Kellerei.

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10 ha

Pflanzrechte beim Start 2009

32 ha

Bepflanzte Fläche heute

49,6 ha

Genehmigte Gesamtfläche

26

Betriebe mit Pflanzrechten

+4 ha

Durchschn. Jahreswachstum

2015

Erste überregionale Auszeichnung

Preisstruktur

Was SH-Wein kostet — und warum

Handgelesen, Kleinstmengen, Direktvertrieb. Das sind die drei Gründe warum ein Schleswig-Holsteinischer Wein 15 statt 8 Euro kostet — und dieselben Gründe, warum ein handwerklicher Rheingau-Wein auch nicht weniger kostet. Der Vergleich zeigt: die Preisstufe ist dieselbe.

SH-Weißwein 12–22 €

Handarbeit, Kleinstmengen, Direktvertrieb. Mineralisch, frisch, trocken ausbaubar.

Rheingau Gutswein 12–20 €

Etablierter Name, vergleichbare handwerkliche Struktur. Dieselbe Preisstufe.

Südtirol Weißwein 15–35 €

Lage + Herkunftsimage + Knappheit. Dieselbe Preislogik — dort seit Jahrzehnten akzeptiert.

SH-Schaumwein (Sylt) ab 65 €

Söl'ring Extra Brut. Nördlichster Weinberg Deutschlands — vergleichbar einem Crémant d'Alsace der Premiumklasse.

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Geschichte

Kein neues Phänomen — eine Rückkehr

Weinbau in Schleswig-Holstein ist keine Erfindung des Klimawandels. Im Mittelalter wurde im gesamten norddeutschen Raum Wein angebaut — getrieben von der Kirchenversorgung mit Messwein. Hinweise auf Weinbau finden sich in Elmshorn, Itzehoe, Preetz und Gülzow.

Der Niedergang kam mit der Reformation: Klöster wurden aufgelöst, ohne institutionellen Träger verschwand der Weinbau. Was 2009 begann, ist keine Pioniertat — sondern eine Rückkehr auf bekanntes Terrain, mit besseren Werkzeugen.

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Mittelalter

Klosterweingärten in ganz Norddeutschland. Weinbau als kirchliche Praxis, Messwein als Treiber.

16. Jh.

Reformation. Klosterauflösungen beenden den organisierten Weinbau im Norden für Jahrhunderte.

2002

Erste Versuchsreben auf Gut Deutsch-Nienhof — noch vor jeder offiziellen Genehmigung.

2009

Rheinland-Pfalz tritt 10 ha Pflanzrechte ab. Offizieller Start. Erste Betriebe pflanzen am selben Tag.

2015

Montigny-Weißwein belegt Platz 2 beim Landesweinbauinstitut Freiburg — bundesweite Aufmerksamkeit.

2019–heute

Neue Betriebe, zweite Generation, 49,6 ha genehmigt. Der Markt professionalisiert sich sichtbar.

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